Für Kinder

Gedicht, in das sich ein o geschummelt hat, wo es nicht hingehört

Was die Bienen im Winter wohl machen
doch kaum Unfug wie die Affen
ich glaub auch nicht dass sie Facebookvideos gaffen
und über tollpatschige Katzen lachen

Vielleicht schwören sie dem Imker Rache
weil er hat ja ihren Honig stibitzt
schwingen zornig die Stachel dass es blitzt
nein, beschweren ist nicht der Bienen Sache

Oder halten sie sich mit Joggen fit ohne Ruhe
für ihre Nektarsammelflüge
Ich denk dass ist auch eine Lüge
denn Bienen haben ja keine Sportschuhe

Erzählen sie sich mit Gesumm
von ihren Kämpfen mit Hornissen
und gefährlichen Spinnenbissen
nein, angeben ist den Bienen zu dumm

Weißt du was sie tun:
sich ausruhen
ja, sie alle schlafen im gestreiften Pyjoma
und träumen vom nächsten Sommer



Ich hab geträumt ich hab einen Hund
jetzt sagst du vielleicht „Na und?“
aber mein Traum-Wuffi ist so lieb, gar nicht gefährlich
ehrlich
sogar Angsthasen mit Zuckernasen
trauen sich ihm ins Ohr zu blasen
Da jault er dann und sagt, wie fies
nehmt euch in acht vor meinem Gebiss
Beissen tut er nicht mehr
er ist ein alter Herr
aber er nimmt es raus
oh Graus
und wirft es nach dir
wie einen Klappervampir
mein Opa Hund der lahme, zahme
jetzt fragst du dich: „Wie ist sein Name?“
Nun sein Fell ist nicht mehr schwarz, ist Grau
sein Bellen nur mehr heiseres Wau Wau
so ruf ich ihn nicht Panther
sondern weil er nur mehr süß ist sag ich Fanta.
Ein nobler Hund, nicht groß eher klein
selbst beim Gassigehen tut er auf pippifein
Ich sag immer er, dabei ist Fanta eine Hundedame
also nicht Fanta-er, sondern Fanta-sie der volle Name

Nun, gestern Nacht ging ich spazieren mit meiner Fantasie
und was ich erlebt hab, das glaubst du mir nie
Wir gingen im Traum zum großen Park hin
da, du weißt schon, der schöne in Wien.
Normalerweise sind dort ganz viele Leute
aber gestern Nacht, ich weiß es noch wie heute,
war keine Menschenseele da, nicht Opa, nicht Fratz
es war im Park so viel Platz
Endlich in Wien, ein leerer Parkplatz
äh, ganz leer war er nicht, ein Spatz
und eine Ameise oder zwei
spazierten an mir vorbei
Oh, das ist jetzt gelogen
der Spatz ist natürlich vorbeigeflogen
aber was ich dir jetzt erzähle ist keine Lüge, ist wahr
so ganz ohne Menschen war der Park sonderbar
irgendwie war alles verkehrt:
Statt einem Kind saß auf der Schaukel ein Pferd
und es fuhr auf einer Drei ein Rad
Dort stand ein Baum mit neuer Krone
dafür war der arme ohne
Wurzel, und noch ganz benommen
weil er war frisch vom Zahnarzt gekommen.
Da ein Windhauch
und es plumpst der Baum auf den Bauch
Liegt da voller Frust,
ja ich hab’s schon in der Mathestunde gewusst:
Wurzelziehen ist nicht nur entbehrlich
manchmal ist es auch gefährlich
denn unter dem Bauch vom Baum
liegt mit Mund voller Schaum
und verdrehtem Knie
platt wie einen Palatschinke meine Fantasie
und sie ist die ganze Nacht druntergesteckt
bis in der Früh vom Wecker erschreckt
ja, mein Wecker hat um sechs geniest
der Baum
im Traum
runtergepurzelt ist



Heut back ich einen Gugelhupf
die Eier in die Schüssel schupf
das Mehl, Öl, Milch hineingegossen
mein Frosch rührt um mit seinen Flossen

Halt, Zucker muss ich noch reingeben
und jetzt, Frosch: Strampel um dein Leben
Hoppa, Hopp es quirrlt und spritzt
braver Frosch, schau wie er schwitzt

So, jetzt der Teig in seine Form
der Frosch sagt nur: "Jetzt is mia woam"
(er ist vom Land und redet Dialekt
während er die Schüssel schleckt)

Bei Affenhitze backt der Kuchen
ich geh dem Frosch ein Handtuch suchen
weil er gleich im Geschirrspüler duscht
dann wieder in die Flossen huscht

Mhhm, nach drei guten Viertel Stunden
wird mir nun der Guglhupf munden
doch schon nach dem ersten Beiß
pfui, spuck, das schmeckt wie alter Krötenschweiß

Trotzdem mir wird sogleich sehr übel
schmeiß ich den Kuchen nicht in den Kübel
weißt du was ich damit mach, horch!
Ich schenke ihn der Familie Storch





Dialektgedichte


Mit einem blutroten Stauß

ist auf mein Blutza da Herr Laus

heut auf Brautschau aus

 

Er sucht ganz verbissen

eine die taugt zum Küssen

und als Mutter seiner Nissen

 

Müde geworden vom Schnecken checken

lässt er sich auf meinen Geheimratsecken

a guades Jauserl schmecken

 

Mhm, beiß schlürf schmatz

drei Viertel hot er scho eam drahts

ein Schluckerl noch und ich zerplatz

 

do kommt wie durch Liebeszauberei

vom Bluatgruch angelockt wie ein Hai

eine kesse Läusebraut vor bei

 

Mhm er lacht, hupft  wia a floh

hält an um ihre hand  ganz froh

doch ich hob in meina scho es Lausschampoo





Zeigst an Neandertaler einen PKW
dann schreit er sicher laut Juche
jetzt brauch ich nicht mehr hatschen
in meine ledern Büffelpatschn
und waun mia einen Hunga haum
fia ma uns a Wüdsau zsaum

Und wirklich wohr, flink wie ein Wiesel
kuman wir mit Benziner oder Diesel
übaroi hin und tuan sovü Zeit spoan.
I sog eich, wia tätn sogoa daham aufs Heisl foan
gab’s im Vorzimmer an Parkplotz nemman Klo
und die einzige Aunstrengung wär nurmehr es Wischn vom Popo.

Stunden brauchte man früher auf Schusters Rappen
doch jetzt mit Auto und rosa Lappen
rechnet man für Wege nur mehr in viertel Stunden
abgesehen von den Tausend Runden
für die Suche nach dem Parkplatz.
Doch ist mit der gewonnen Zeit nun Schluß mit Ratz und Hatz?
Ist jetzt jeder Autofahrer relaxt?
Geh wo, es ist ja wie verhext
Sogar die feinste Lady tuat wie deppat hupen
und schreit: Wos foast denn du in Zeitlupen
du Trottl, i hob’s eilig zum Kosmetika, gib Gas
und auch der Bürohengst is am Drücka und kennt keinen Spaß
blockiert da wer und parkt in zweiter Spur
ist es aus mit jeder Beamtenruah
endlich nach Büroschluß rührt er einen Finger
und zeigt ihm dem auf die Palme Bringer
Egal ob Fahrschulauto oder Mistwagen
niemand darf es wagen
dem Autofahrer ein paar Sekunden zu stehlen.
Wenn’s nicht verboten wär, er schlitzte Kehlen
bräche Rippen, Nasen und Beine
für jede Verzögerung, auch eine noch so kleine
ja er schiaßat wie Django im Wildwestgeballer
doch der gezähmte Automobü-Neandertaler
will ja doch nicht hinter Gitter:
so gibt’s für Verzögerer hoit nur ein Schimpfgewitter:
Lauter Trotteln, Deppen, und nur Nutten
ich verlier weng eich de kostbaren Minuten
es stöhts ma meine wertvolle Lebenszeit!

Endlich zu Hause, vom Auge des Gesetzes und Auto befreit
sind die zornerfüllte Lady, der kochende Bürohengst
fällig ist das Ausleben der Straßenwut nun längst
und sie hocken sich zu allem entschlossen vor de Glotzen
auf der Fernbedienung die tödliche Protzen
jo, jetzt sans sicher in eanam Daham
jetzt brechen die Dämme, jetzt drahns wen ham
beißen blutrünstig ins Grammelschmoizbrot
und schlagen mim Fernseher drei Stunden tot



Minimalgedichte



Oben ohne


Ohne Fahrschein reist der
Zugvogel ohne Landkarte
Koffer oder Adieu

Unten ohne


Norah Jones Samtstimme
Kaffeeduft, bin ganz ohne
Atemzählen Eins

Ganz ohne (oder "Nicht artgerechte Haltung")


In den Stockwerken
galoppieren nur die Finger
der Bürohengste
das einzig freibeuterhafte
die Entertaste


Depressionen kommen bei Insekten so gut wie gar nicht vor

Heftiges treibt uns
wie Regen die Ameisen
an das Tageslicht
Nur der Mensch ist nach Wochen
immer noch ganz außer sich

Einfach nur aaahhhh....

Ganz unverkleidet
schnurrt das leere ICH
im heißen Badewasser
Doch gleicht flutscht der Tollpatsch rein
macht Wellen der Knochensack

Tauwetter

Waldquelle plaudert
herrlich frei heraus
Sonnengekitzelt
Wo ankommen wollend stapf
ich mit starrer Miene fort
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Kalte Zehen noch aber es geht ... der Sonne entgegen ... und irgendwann wieder retour

Hören die Rauchfänge
erst auf zu atmen zielen sie
als Zeitvertreib auf die Sonne


Wo am Straßenrand mir ganz Fremde an manchen stillen Tagen trauern

Blätterndes Holzkreuz
weint schmelzenden Schnee
auf schmutzige Plastikblumen


Couchpotato

Regungslos und faul
Dali könnte mich malen
gänzlich unverfälscht
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Warum zittert das Ich (nicht nur im Winter)

So paradiesisch
ist meine Auslöschung
wenn Schlaf mich besucht
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Auf der Nordbrücke im Stau

Käfer hinter Glas
im Herz die Tachonadel
Hast ausgeflattert


Trösten Sie mich an diesen trüben Tagen, alter Freund ...

Den letzten Tropfen
taut dieser Sonne Lächeln
dem durstenden Schnabel
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Flap Flap Krähenflug
mitten durch den Sonnenstrahl
bald ist sie weit fort
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Sternenkalte Nacht
Als der Mund staunend aufklappt
schmeckt er Erdbeereis


So selt-sam. Unsere Seele findet die Pausentaste oft erst, wenn sie von Schnappschüssen von allem abgelenkt ist ...
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Umstreichen Tage.
Wie eine Katze Beute
suchen wir Stille
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Heiterer Himmel
toter Fuchs am Straßenrand
der Wind streicht sein Fell
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Endlich wieder blauer Himmel, und ich blicke durch eine dreckbefleckte Windschutzscheibe:
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Sonnendurch lässig
schwebt dieser Wolkenteppich
Seelentrampolin

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Lang kam dem Asphalt
der einzige warme Strahl
von Hundelulu

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Was tut einer, der von berufs-Wegen soviel unterwegs ist, so ein Zugvogel? Zum Wachbleiben im Autokäfig tätig werden als Straßenkünstler, Bilder entstehen gekritzelt mit Denkenkreide:
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Reisigbesen-Wald
barhäuptig ziehst du vorbei
du Zeitlupenlump

Irgendwo mischt ein Engel
schon die Farben für uns zwei
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Straßenlaternchen
schwankt unruhig im Windgetös
ausblasen spielt's nicht

Schade, der Mond wär so schön

über der schlafenden Stadt
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Wenn an grauen Wintertagen keine Sonne und der Frühling zu weit weg scheint ...
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Sichtbar und spürbar
die Winteratemzüge
vor unseren Mündern

Lass Liebe drinnen reisen

dass ruft den Frühling herbei

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Kurz streckt ein Ohrwurm
das Kopferl aus dem Gematsch
Azzurro la la la krah

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Gedanken, verdichtet
Eins: Auf der Autofahrt heim von einem Auftritt. Eben noch ein Wir mit dutzenden lachenden Kindern, im Auto nur mehr ich, sie spielen schon mich vergessend, sich vergessend -
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Regentropf zerklatscht
am Fensterglas Prost
Gedanke Beam me up Scotty?
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Zwei: Am Rücken schwitzend, an den Geheimratsecken frierend eile ich an einem kleinen Park vorbei zum nächsten Auftrittsort -
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Bäumchen aus Tusche
bald malt Frühlingsluft
dem Kahlköpfchen neuen Flaum
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Manche gehen zum Arzt, wenn sie krank sind, ich Geh dichten. Letzte Nacht die Nase zu, dafür die Augen offen. Also los, : 
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Schlaflos in der Winternacht
sehn ich mir eine Gelse
herbei als ein DU
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Soll ich lesen?
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All diese Bücher
Kosmos, darin mein Kopf nur
ein i-Punkt ohne Strich
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Soll ich Musik hören?
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All voller Atem
zur Unzeit klingen Lieder
hinter off'nem Lid


Gedichte aus der Grippezeit

In Decken gehüllt
Hatschi - Pausetaste
Stille ge- ge-nießen


Fröstelndes Beinchen
Krabbelt da eine Grippe
Lad sie ein zum Tee


Morgäähnbrr im Bett
vorm Fenster Schneeregenplatsch
im Hals steckt ein Frosch